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So wirken Fungizide

Getreidefungizide stehen dem Landwirt heute als Fertigmischung mit Wirkstoffkombinationen oder als Solopräparat zur Verfügung. Fungizide verhindern oder beseitigen durch Pilzbefall hervorgerufene Krankheiten, die die Ernteerträge und -qualität schwer beeinträchtigen können. Auf den ersten Blick sind die Wirkungsspektren der verschiedenen Produkte sehr ähnlich, dennoch haben die enthaltenen Wirkstoffe ihre besonderen Stärken. Ohne Kenntnis dieser Stärken und Schwächen ist eine Auswahl riskant. Vor einer Pflanzenschutzanwendung muss also überlegt werden, welcher Krankheitserreger das Hauptproblem darstellt und welcher Wirkstoff im aktuellen Fall die Hauptleistung erbringen soll.

Fungizide stören den Stoffwechsel pilzlicher Schaderreger, töten diese ab oder hemmen ihre Entwicklung. Die verschiedenen Wirkstoffe greifen dabei an unterschiedlichen Stellen im Pilzstoffwechsel (Targets) an. Manche Substanzen wirken sehr spezifisch, andere beeinträchtigen mehrere Stoffwechselreaktionen und sind damit weniger selektiv.

Aufnahme und Verteilung

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal fungizider Wirkstoffe ist das Ob und Wie ihrer Aufnahme und Verteilung auf und in der Pflanze. Nicht-systemische Wirkstoffe dringen nicht in die Pflanze ein und sind demnach auch nicht in der Lage, Pilzstrukturen in der Pflanze anzugreifen. Diese Wirkstoffe können somit nur protektiv eingesetzt werden. Wirkstoffe, die hingegen systemische Eigenschaften haben, können auch eingesetzt werden, wenn der Pilz bereits in die Pflanze eingedrungen ist, denn der Wirkstoff wird zu den Strukturen des Pilzes transportiert, um ihn dann abzutöten. Diese kurative Wirksamkeit ist nicht unbegrenzt.

Was sind die Besonderheiten?

Kontaktwirkstoffe wirken nicht-systemisch und verfügen meist über ein sehr breites Wirkungsspektrum. Sie gelangen nicht durch die Kutikula hindurch und bieten keinen Schutz innerhalb der Pflanze. Sie haben somit einen rein protektiven Effekt. Durch ein breites Wirkungsspektrum haben sie nur eine geringe Selektivität und der Anwender muss einige Nachteile beachten:

  • Es werden nur die ersten Entwicklungsstadien der Erreger erfasst. Gelangt der Pilz in das Pflanzengewebe, kann er sich dort weiterentwickeln.
  • Der Fungizidbelag muss die Pflanzenoberfläche sehr gleichmäßig bedecken, um ausreichenden Schutz zu bieten.
  • Das nachwachsende Gewebe ist ungeschützt, Regen kann den vorhandenen Schutzbelag abwaschen. Je nach Witterung und Pflanzenwachstums muss folglich relativ häufig gespritzt werden.

Mesostemische Fungizide sind Wirkstoffe, die an der Pflanzenoberfläche ein Wirkstoffdepot bilden, aus dem kontinuierlich Nachschub in die Pflanze gelangt oder auf der Pflanze verteilt wird. Sie wirken deshalb besonders lange.

Systemische Wirkstoffe gelangen durch die Kutikula in die Pflanze. Sie agieren in der Pflanze, sind in der Regel selektiv und können sowohl protektiv als auch kurativ eingesetzt werden. Das Wirkungsspektrum dieser Fungizide beschränkt sich häufig auf eine Gruppe ähnlicher Pilze. Diese Selektivität ist für die verschiedenen Wirkstoffe unterschiedlich stark ausgeprägt, macht diese Stoffe aber umweltverträglicher.

Resistenzbildung und -management

Für viele wichtige Pilzkrankheiten stehen nur wenige Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Triazole agieren als die wirklich kurativ wirksamen Substanzen, die bei unsicheren Situationen oder in der ersten Behandlung eingesetzt werden können. Folgespritzungen sollten rechtzeitig gesetzt werden. Bei häufiger Anwendung einer bestimmten Fungizidgruppe zeigen viele Schadpilze bald Resistenzen. Zur Prävention sollten daher in Spritzfolgen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen eingesetzt werden. Unnötige Maßnahmen und verminderte Aufwandmengen erhöhen nicht nur das Resistenzrisiko, sondern sind vor allem unwirtschaftlich.

zuletzt bearbeitet am: 27. Oktober 2008